Erlebnis Peru & Rio de Janeiro 2020

Sprich des Tages:

Die Reise ist schneller, wenn Du gute Gesellschaft hast.

Ganz früh morgens holte unser Transferservice die Mitreisenden zuhause ab, um gemeinsam an den Flughafen zu fahren. Endlich konnte unsere Traumreise beginnen…

Dass diese (Pionier-) Reise nach der Coronazeit sehr viel Geduld für das Fliegen abverlangte, spürten wir gleich während des Check-in‘s bei Air France. Durch ungeschicktes Verhalten der offensichtlich neuen Mitarbeiter der Airline kam es gleich zu einer langen Wartezeit am Schalter.

Das Chaos am Flughafen in Paris, strapazierte als nächstes unsere Nerven. Bis alle die Grenzkontrollen durchlaufen hatten, musste die Gruppe im Dauerlauf zum Flieger nach Lima sprinten. Glücklich und erleichtert den Anschlussflug noch bekommen zu haben, genossen wir den Flug nach Lima in einem ganz neuen Airbus A350.

Leicht verspätet setzte der Flieger in Lima auf. Wir waren im Land der Lama angekommen! Leider bekamen auch wir die massiven Probleme bei der Gepäckbeförderung zu spüren: Keiner unserer Koffer aus Paris kam in Lima an.

Wir hofften darauf, dass wir am nächsten Tag unsere Koffer bekommen würden und trafen uns nach dem Zoll mit unserer 1.Reiseleiterin Veronica, die noch eine Schlüsselrolle in der Gepäcknachverfolgung einnehmen sollte.

Da es schon spät am Abend war, gingen wir nach dem Check-in im Hotel gleich los und besuchten auf Empfehlung von Veronica das gute Fischrestaurant Alfresco mit leckeren peruanischen Spezialitäten. Hunger und Durst wurden aufs Feinste gestillt und die Probleme während der Anreise waren schon fast vergessen. Nach dem ersten (sehr leckeren) Pisco Sour waren wir richtig in Peru angekommen und der Nieselregen (es ist Winter in Peru!) störte uns auf dem Rückweg nicht.

Spruch des Tages:

Puedes ser una sola persona para el mundo, pero para una persona eres el mundo.

(Für die Welt bist du nur eine einzelne Person, aber für einen Menschen kannst Du die ganze Welt bedeuten.)

Ein leckeres Frühstück erwartete uns am Morgen in unserem Hotel Tambo II im Stadtteil Miraflores. Der Reiseleiter Viktor holte uns um 09:00 Uhr ab um uns seine Stadt zu zeigen. Die 10 Millionen-Metropole gliedert sich in verschiedene Stadtteile.

Zunächst besuchten wir den ebenfalls in Miraflores gelegenen Parque del Amor (Park der Liebe) mit schönem Ausblick über die Pazifikküste.

In Miraflores liegt außerdem die präkolumbianische archäologische Stätte von Huaca Pucllana. Die alten Kulturen (100-800 n.Chr.) vor Beginn des Inkareiches waren bereits Experten für Landwirtschaft und Bewässerung: Mais, Kartoffeln, Chili wurden in einer großen Vielfalt angebaut.

Besonders sehenswert ist der koloniale Stadtkern, der von Francisco Pizarro im Jahr 1535 gegründeten Stadt. Sie war lange Zeit Hauptstadt des spanischen Vizekönigreiches Peru, welches bei seiner Gründung fast ganz Südamerika umfasste.

Die Plaza San Martin, benannt nach dem argentinischen General und Freiheitskämpfer Jose de San Martin, war mit seinen schönen Häuserfassaden das erste Highlight der Altstadt.

Entlang der Fußgängerzone erreichten wir die Kirche & das Kloster San Francesco. Die beeindruckende Klosteranlage aus dem Jahr 1546 wurde im Jahr 1646 durch ein Erdbeben schwer beschädigt. Neben wunderschönen Kasettendecken, Wandkacheln und einem Chorgestühl aus edlem Tropenholz konnten wir die Katakomben unter der Kirche besichtigen. Da „eine Etage“ höher gerade eine Messe gelesen wurde, konnten wir zusammen mit den Gebeinen von 25000 Verstorbenen die Worte des Priesters vernehmen. Das war ein schauriges und gleichzeitig ergreifendes Erlebnis.

Im Restaurant el Parquetito am quirligen Parque Kennedy verabschiedeten wir uns von Victor nicht ohne mit einem Pisco Sour auf unsere Reise anzustoßen.

Gegen Nachmittag flogen wir weiter in die „weiße Stadt“ Arequipa. Gepackt war schnell, da die Koffer doch nicht eingetroffen war.

Nach unserer Ankunft empfing uns die neue Reiseleiterein Rosario ganz herzlich und brachte uns in das historische Hotel San Augustin – Posada del Monasterio. Wie der Name schon sagt war dieses Hotel, welches direkt neben dem Kloster Santa Catalina, einst eine Herberge für Besucher der Novizinnen des Klosters gegenüber.

Spruch des Tages

“Si estás deprimido, estás viviendo en el pasado. Si estás ansioso, estás viviendo en el futuro. Si estás en paz, estás viviendo en el presente.”

Falls Du deprimiert bist, lebst Du in der Vergangenheit. Falls Du ungeduldig bist, lebst Du in der Zukunft. Falls Du in Frieden mit Dir selbst bist, lebst Du in der Gegenwart.

Zu Beginn unserer Besichtigungen führte uns Rosario an einen Aussichtspunkt, um einen schönen Blick auf die Vulkane Chachani (6075 m), Misti (5822m) und Picchu Picchu (5425) sowie den Chili-Fluß zu haben. Einen weiteren schönen Ausblick, diesmal auf die Stadt, konnten wir vom Stadtteil Yanahuara genießen.

Die Hauptsehenswürdigkeit Arequipas ist das einzigartige Kloster Santa Catalina. Diese Stadt in der Stadt, in der die Nonnen bis 1970 hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt waren und lebten, ist sehr pittoresk und alles sieht sehr nach Spanien aus. Allerdings wirkt das ehemalige Klosterleben der Nonnen (meist Töchter aus wohlhabendem Hause) mit Dienern und allerhand Annehmlichkeiten zusammen mit den strengen Klosterregeln aus heutiger Sicht eher bizarr.

Danach starteten wir den Stadtrundgang durch Arequipa, die für viele als eine der schönsten Städte des spanischen Kolonialreiches gilt. Die Iglesia la Compańia ist ein Musterbeispiel des Mestizenbarocks. Mit diesem Baustil versuchten die Spanier während der Kolonialzeit den Einheimischen, anhand von ihnen bekannten Symbolen, die katholische Lehre näher zu bringen. Da wir etwas zu spät an der Kirche eintrafen, konnten wir diese nur von außen besichtigen. Geöffnet war hingegen die Capilla de San Ignacio Loyola bei der Kirche. Dort schufen die Jesuiten mit großem missionarischem Eifer bunte, beeindruckend schöne Pflanzenornamente und Darstellung von tropischen Tieren an der Kuppel und den Wänden der ehemaligen Sakristei.

Die Vielfalt des Angebots an Gemüse, Obst, Kräutern des Markt San Camillo, den wir im Anschluss besuchten, war für uns schier unüberschaubar. Nachdem Rosario uns die wichtigsten Bereiche des Marktes (inklusive Hutverkaufsstände) gezeigt hatte, bekam die Gruppe etwas Freizeit. Da wir weiter ohne Koffer unterwegs sein sollten, nutzten viele die Zeit um sich mit dem Allernötigsten an Klamotten und Hygieneartikeln einzudecken. Das Kaufhaus Topi-Top mit seinen roten Einkaufsbeuteln wird uns allen in Erinnerung bleiben….

Einige nutzten den Nachmittag zum Kaffeetrinken in der Casa Iriberry. Innerhalb des Areals befand sich eine Galerie u.a. mit Werken von Egon Schiele.

Mittlerweile rückte die kleine Reiseschar immer mehr zusammen und fühlte sich fortan als „Reisefamilie“. Das merkte man nicht zuletzt daran, dass alle gemeinsam zum Markt Don Camillo zurückkehrten, um sich als Schutz vor der Höhensonne mit den typischen Sonnenhüten zu versorgen.

Der Abendhimmel über Arequipa zeigte sich in den allerschönste Farben, als wir an der Kathedrale an der Plaza de las Armas vorbeikamen. Angelockt durch musikalische Klänge im Inneren, betraten wir die Kirche und stellten fest, dass gerade eine Generalprobe eines großen Orchesters mit Chor stattfand. Es wurde aus Beethovens 9ter die „Ode an die Freude“ geprobt, was uns einige Gänsehautmomente bescherte.

Spruch des Tages:

„Mejor que juntar las manos para rezar, es abrirlas para dar!“

Besser als die Hände zum Beten zu falten ist es sie zu öffnen um zu geben.

Schon hieß es wieder Abschied nehmen und früh morgens starteten wir in Richtung Chivay in den Colca Canyon. Rosario erzählte uns viel über den Genuss von Cocablättern, vor allem war sie sich sicher, dass die Wirkung der Blätter gegen die Höhenkrankheit hilft. Diese Hilfe konnten wir sehr gut gebrauchen, denn die Passstraße führte uns heute auf eine Höhe von knapp 5000 Metern. Folglich stoppten wir unterwegs an einem der zahlreichen Tante Emma Läden und deckten uns reichlich mit Cocablättern und dem Katalysator llyp`a (gepresste Pflanzenasche) ein. Das muntere Kauen im Bus begann, leider konnte nicht jeder die Vorzüge von Coca genießen.

Stadtauswärts kamen wir an den sogenannten „pueblos jovenes“ (junge Dörfer) vorbei. Diese Siedlungen sind nichts anderes als die Favelas in Brasilien und resultieren aus der Landflucht vieler Peruaner um in den Städten eine bessere Zukunft zu finden. Oft sichern dabei die Frauen mit ihrem Kleingewerbe die Familien ab. Durch die gute Kreditwürdigkeit der Frauen bei den Banken, können diese Ihre Unternehmen mit einem Microkredit aufbauen.

Während der Rast am Cafe Inkawasi (unweit des Restaurants „Mamacoca“) intensivierten wir die Wirkung der Cocablätter noch mit Cocatee. Trotzdem hatte Jeder bei der geringsten körperlichen Anstrengung erstmal mit der dünnen Luft zu kämpfen.

Wir waren auf der Hochebene von Pampa de Canahuas angekommen und konnten die „Kamele“ der Anden in freier Wildbahn beim Grasen erleben. Es gibt neben den domestizierten Lamas & Alpacas die wildlebenden Guanacos und Vicunas, welche auf Grund ihrer sehr begehrten Wolle unter Schutz stehen.

Da bei den Hirten der Lama & Alpacaherden immer schwarze Hunde zu sehen waren, erzählte uns Rosario die folgende Geschichte aus der Mythologie der alten Völker des Hochlandes:

Die Seelen der Menschen wohnen nach dem Tod auf den Gipfeln der Berge und von dort schauen sie nach ihren Familien. Wenn man stirbt macht sich die Seele auf eine 3-jährige Wanderschaft zu einem Gipfel und muss einige Hindernisse, z.B. einen roten Fluss, überwinden. Am Fluss sollte ein schwarzer Hund warten, um mit der Seele zusammen den Fluss zu überqueren. Ein weißer Hund würde nicht helfen, da er sich das Fell nicht schmutzig machen würde. Aus diesem Grund haben viele Hirten schwarze Hunde bei sich.

Vorbei an Flüssen und Seen, wo teilweise auch Flamingos im Wasser stolzierten, machten wir einen Fotostopp am „Mirador de los Volcanes“. Dort bemerkten wir den aktiven Vulkan Sabanacaya („Feuerzunge“ – 5976m), der uns in der Folge immer wieder mit Eruptionen im Colcatal zu grüßen schien.

Am Abend erreichten wir unser rustikales Hotel Casa Andina in Chivay auf 3600 Metern Höhe. Das Abendessen war lecker und im Anschluss stieß die Familie noch mit einem Pisco Sour auf unser Geburtstagskind Anja an. Unsere Gesangseinlage sorgte noch für die eine oder andere Rückfrage weiterer Hotelgäste, die sich mit uns über den Geburtstag von Anja freuten.

Da die Heizungen in den Bungalows sehr zu wünschen übrig ließen, waren wir froh, dass es im Bett zusätzlich eine Heizdecke gab.

Spruch des Tages

„Casarte con una mujer que cocina rico – la belleza algun dia acaba, el hambre no“

Heirate eine Frau, die gut kochen kann – eines Tages vergeht die Schönheit, aber der Hunger bleibt.

Ganz früh morgens wurden wir im Dorf Yanque mit seiner schneeweißen Kirche aus dem Jahr 1720 von tanzenden Schülern unterhalten, die sich mit ihren Aufführungen ein Taschengeld verdienten.

Ein wunderschöner Spaziergang erwartete uns entlang des fast 1000 Meter tiefer gelegenen Colcaflusses bevor wir gegen 09:00h am „Mirador del Condor“ eintrafen. Von hier kann man mit etwas Glück den König der Lüfte, den mächtigen Condor beobachten. Bei den altperuanischen Kulturen wurde dieser Vogel als Götterbote verehrt. Kein Wunder: Mit einer Spannweite von bis zu 3 Metern kann dieser Vogel eine halbe Stunde ohne Flügelschlag durch die Lüfte segeln und dabei auf bis zu 7000 Meter Höhe steigen.

Um ca. 10:00 Uhr hatten die majestätischen Vögel genug Höhe im Colcatal gewonnen und flogen am Aussichtspunkt vorbei. Dieser Anblick ließ unsere Herzen höher schlagen.

Auf dem Rückweg zum Hotel zeigte uns Rosario den kleinen Ort Pinchollo mit seiner kleinen Kirche, in der alle Heiligen wegen der ständigen Erdbeben aus den Altären ausgeräumt waren.

Am Marktplatz von Maca ließen wir uns einen Colca Sour – eine Variante des Pisco Sour mit Sancayo Kaktus – schmecken. Sehr lecker!

Nachmittags hatten wir uns ein entspannendes Bad in den Thermalquellen von La Calera verdient. In Ermangelung unserer in den vermissten Koffern befindlichen Badesachen gingen wir zuvor noch auf Shoppingtour durch den Markt von Chivay. Die Quellen von La Calera werden mit einfachsten Mitteln in den Bassins auf Wohlfühltemperatur gebracht und wir fühlten uns alle nach dem Bad pudelwohl.

Das Abendessen im Hotel schmeckte bei stimmungsvoller Andenmusik besonders gut.

„El hombre es un ser complicado, hace florecer el desierto y morir los lagos“

Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen: Er bringt die Wüste zum Blühen und gleichzeitig lässt er die Seen sterben.

Bis zur Kreuzung Cañahuas ging die Fahrt wieder über denselben Weg zurück und wir konnten wieder beim Cafe Inkawasi einkehren. Ab Cañahuas folgten wir der Landstraße 38A bis Juliaca auf der jede Menge LKW‘s unterwegs waren. Sie fahren für die vielen Minen in dieser Region.

Peru ist sehr reich an Bodenschätzen. Es gibt hier z.B. das zweitgrößte Kupfervorkommen der Welt. Leider kann Peru kaum davon profitieren, da die Reichtümer des Landes sich meist in ausländischer Hand befinden. Einige Regierungsvertreter sind korrupt und vergeben Konzessionen für den Bergbau an China & Kanada, weil man so schnell viel Geld abzweigen kann. 95% der Metalle & Mineralien gehen über ausländische Firmen ins Ausland und in Peru wird nichts verarbeitet.

Am Flughafen Juliaca konnten wir mit großer Freude fünf der fehlenden Koffer entgegennehmen. Dies war der erste Streich von Veronica, die am Flughafen in Lima alle Register zog, um uns die Koffer nachzuschicken.

Am Abzweig nach Sillustani stieg unsere nächste Reiseleiterin Inka zu uns in den Bus. Inka hat deutsche Wurzeln und ist mit 10 Jahren mit Ihren Eltern nach Peru gekommen.

Inka stellte gleich bei den Chullpas de Sillustani unter Beweis, wie gut sie sich mit den alten Kulturen auskennt. Am beeindruckendsten ist der Chulpa de Largato (Grabturm der Eidechse) mit 12 Metern Höhe der höchste Grabturm Südamerikas. Die handwerklichen Fähigkeiten der damaligen Erbauer mit den passgenau gehauenen Steinen waren meisterlich. Wahrscheinlich wurden sehr hohe Persönlichkeiten der Colla-Kultur und deren Familien dort bestattet.

Umrahmt vom schönen Umayo-See ist die gesamte Halbinsel, auf der diese rituelle Stätte steht, sehr beeindruckend.

Am Ufer des Sees konnten wir auch traditionelle Hochbeete sehen, wie die, die schon zur Zeit der Aymaras genutzt wurden. Durch die ausgleichenden Eigenschaften des Sees konnte man so trotz frostiger Temperaturen Gemüse anbauen.

Ein kleiner, traditionell geführter Bauernhof war Ziel unseres nächsten Halts. Inka konnte uns viel über die angebauten Früchte, aber auch über die Sitten und Gebräuche der Bauern in dieser Gegend erzählen. Besonders niedlich war das Meerschweinchenhaus in dem sich die Tiere sichtlich wohl fühlten. Sie wissen ja nicht, dass Sie höchstwahrscheinlich nicht eines natürlichen Todes sterben werden, sondern als Delikatesse zu einem besonderen Anlass aufgetischt werden.

Am Nachmittag kamen wir am Hotel Xima, welches einem schönen Blick auf den See hat, an.

Jetzt hieß es Abschied von Rosario nehmen, da am nächsten Tag Inka die Regie übernahm.

Ein Teil der Gruppe fuhr per Taxi in die quirlige Innenstadt Punos um nochmals Ersatzkleidung einzukaufen, da ja immer noch drei Koffer fehlten.

Das schmackhafte Abendessen und die leckeren Pisco-Sour an der Bar glichen abermals die dürftigen Heizmöglichkeiten des Hotels aus.

Spruch des Tages:

„El Torre más alta, se erige del piso“

Auch der höchste Turm, wird am Boden begonnen.

Ein strahlend blauer Himmel mit einigen Federwolken begrüßte uns am frühen Morgen. Der Titicacasee mit seiner besonderen Stimmung und den gigantischen Ausmaßen (etwa 1/5 der Schweiz oder 8300 qkm) wartete auf uns. Mit einem „exklusiven“ Boot fuhren wir zunächst zu den schwimmenden Inseln der Uros.

Die ersten Hochkulturen siedelten sich bereits um 1500 vor Christus am Titicacasee an.

Die Uros waren einst Sammler & Jäger und deshalb geächtet. Sie flüchteten vor verfeindeten Volksgruppen auf den See und entwickelten eine eigene Lebensform. Grundlage ihrer Existenz sind die schwimmenden Inseln aus Schilfgras (Totora=Binsen). Diese müssen ständig erneuert werden, da die unteren Schichten der Inseln recht schnell verrotten. Die einigen Hundert Uros, die noch auf den Inseln leben, ernähren sich von kleinen Fischen und Wasservögeln. Der Tourismus bildet eine zusätzliche Einnahmequelle. Die ankommenden Gäste werden auf die verschiedenen Familien verteilt und können deren Insel inklusive Schlafhütte besichtigen. Auf diesen feuchten und kalten Inseln zu leben ist für unsereins kaum vorstellbar.

Unser Boot nahm dann Kurs auf den Ort Llachon auf der Halbinsel Capachica. Während eines schönen Spaziergangs entlang des Seeufers kamen wir an einfachen Gehöften aus Adobe (Lehmziegel) vorbei und Inka führte uns in das einfache Leben der Quechua dieser Region ein. Wir konnten einer Familie zusehen, die gerade mit den Füßen aus aufgetauten Kartoffeln die Feuchtigkeit herauspresste. Über Nacht gefrieren die Kartoffeln erneut. Wiederholt man diesen Vorgang werden nach einigen Durchläufen die Kartoffeln „gefriergetrocknet“ und sind ewig haltbar.

Im Dorf gabs ein Mittagessen direkt am See mit Fisch, Quinua, Kartoffeln und Mais. Die Angestellten des Restaurants stellten uns die verschiedenen Trachten ihres Dorfes vor und Inka erzählte uns viel Wissenswertes über das traditionelle Leben der Menschen hier. Zum Beispiel dauert eine Hochzeitsfeier 14 Tage, was im ersten Moment für Verwunderung bei uns sorgte. Vor dem Hintergrund, dass der Bau eines Adobehauses 14 Tage in Anspruch nimmt, ist diese 14 tägige Hochzeitsfeier eine hervorragende Einrichtung für das Brautpaar. Sobald die Feier beginnt helfen alle Gäste das Haus für das Brautpaar zu bauen und sobald das Haus steht wird gefeiert!

Auf dem Rückweg konnten wir über die Weite des Sees bis nach Bolivien zu den schneebedeckten Königskordilleren mit ihrem höchsten Gipfel dem Illimani (6462 m) hinüberschauen.

Die Familie traf sich am Abend zu einem gemütlichen Abendessen mit anschließendem Pisco Sour an der Bar als „Betthupferl“.

Spruch des Tages

„La mejor forma de predecir el futuro es crearlo“

Die beste Form die Zukunft vorherzusagen ist sie selbst zu schaffen.

Eine 9-stündige Busfahrt mit vielen Highlights stand der „Familie“ heute bevor. Wir kamen nochmal an Juliaca vorbei. In dieser Stadt mit einem sehr zwielichtigen Wirtschaftsmodell soll es weltweit das beste Kokain geben. Dies manifestiert sich an der großen Anzahl von Tankstellen in Juliaca. Diese dienen einerseits zur Geldwäsche und anderseits wird damit der hohe Bedarf an Benzin für die Kokainproduktion gedeckt.

Kurios sind die vielen Toilettenhäuschen auf dem Mittelstreifen der Hauptstraße. Da die Stadt quasi ohne Städteplanung entstanden ist, gibt es weder geteerte Seitenstraßen noch eine Kanalisation. Man begnügt sich für die Notdurft deshalb mit Toilettenhäuschen Marke „Plumpsklo“. Ist die Grube gefüllt wird das Häuschen einfach ein paar Meter weiter im Mittelstreifen neu aufgestellt.

In Pucara wurde unsere Kaffeepause zu etwas ganz Besonderem, denn jedes Jahr am 16.Juli wird dort ein großer Markt zu Ehren der Virgen del Carmen abgehalten. Auf dem Markt gab es vieles zu entdecken. Neben den großen und kleinen Dingen, die man hier auf dem Land braucht, gab es auch Stände mit Heilmedizin aus Ölen, Pflanzensäften oder Wurzeln. Auch Zutaten für schamanische Riten wie Räucherwerk oder Alpacaföten (Zeichen von Reinheit & Unbeflecktheit) waren im Angebot.

Inka konnte uns mit Ihrer Begeisterung für die Naturreligionen und Heilkunde dieser Menschen, viel Wissenswertes berichten. Hier in den Bergen ist es noch weit verbreitet sogenannte Curanderos bei Krankheiten zu konsultieren. Diese Heiler fungieren seit vorkolumbischer Zeit als Mittler zwischen den Welten. Gerne werden auch mit Hilfe von schwarzen Meerschweinchen Krankheiten analysiert und auf das Tier für den Genesungsprozess übertragen.

Eine Fahrt durch die Landschaft des Altiplano ist mit seinen majestätischen Bergen und der Weite überwältigend – man fühlt sich dem Himmel nahe.

Der Altiplano ist nach dem „Dach der Welt“ in Tibet das zweitgrößte Hochplateau der Erde. Es erstreckt sich innerhalb der Hochgebirgsketten der Anden von Peru bis nach Argentinien.

Da die Hochebene keine natürlichen Abflüsse hat, ist sie sehr wasserreich. Stellenweise ist das Grundwasser nur 1-2 Meter unter der Erde.

Am La Rays Pass (4350 m) machten wir halt und konnten uns etwas die Beine vertreten und die Aussicht auf die schneebedeckten Gipfel der Anden genießen. Schnell waren wieder die Straßenhändler mit ihren Souvenirs & Kunsthandwerk um uns versammelt.

Eine unvergessliche Attraktion der Reise war die Inkabrücke von Q`eswachaca. Seit 500 Jahren wird diese Brücke von den umliegenden Dörfern einmal im Jahr gebaut und über den Fluss Aourimac gespannt. Das Besondere ist, dass diese Brücke vollständig aus Gras besteht und die Konstruktion auf die Bauweise der Inkas zurückgeht. Stabil genug für 5 Personen + Lama und absolut erdbebensicher.

Auch diese Brücke war einst Teil des riesigen Wegenetzes (12-19 tausend Kilometer), das die Inkas in ihrem riesigen Reich angelegt hatten. Per Stafettenläufer (Alter zwischen 15-19 Jahren) ging es auf Etappen von 5 km im Sprint von Station zu Station um wichtige Nachrichten per Knotenschrift durchs Reich zu befördern. Bis zu 400 km weit an einem Tag.

Die Inkas waren die letzte Hochkultur Perus und deren Kultur wurde durch die Spanier nach insgesamt 14 Inkakönigen Zug um Zug ausgelöscht.

Der Legende nach stiegen um 1200 n.Chr. Manco Capac und seine Schwester-Gemahlin Mama Ocllo als Gesandte des Sonnengottes auf die Insel der Sonne im Titicacasee herab. Dort wo es Ihnen möglich war einen „Stab“ mühelos in die Erde zu stecken, sollte die Hauptstadt des Reiches sein. Diese Stelle fanden Sie im 300 km nördlich gelegenen Cusco und in dieser Gegend war auch zunächst das Inka-Reich beheimatet. Erst 200 Jahre später expandierte das Inkareich und erreichte in der Hochphase kurz bevor die Spanier eintrafen seine größte Nord-Südausdehnung von über 4000 km. Die gottähnlichen Inkas und ausgewählte Adlige etablierten ein Feudalsystem und die Untertanen mussten mit Ihrer Arbeitskraft und Naturalien zum Erhalt der Gesellschaft beitragen.

Die Übernahme der fremden Reiche erfolgte oft zunächst mit einem friedlichen Übernahmeangebot, indem die örtlichen Herrscher die Regeln und die Inka als oberste Gottheit akzeptieren mussten. Falls dies von den feindlichen Herrschern abgelehnt wurde, übernahmen die Inkas den Staat mit Gewalt.

Die Straße Richtung Yucay – unserem heutigen Zielort – ging weiter bergab ins Tal des Rio Urubamba. Die beeindruckende Kolonialkirche von Andahuaylillas empfing uns mit großem Prunk. Sehr gut erhaltene Wandmalereien schmücken zusammen mit einem reich dekorierten Dachstuhl die Kirche. Inka konnte uns vieles über die Zusammenhänge der damaligen Kirchentheorie im Zusammenspiel mit den Kunstwerken und Gemälden erklären. Spektakulär war am Ausgang der „sixtinischen Kapelle der Anden“ der Weg zum Himmel und zur Hölle dargestellt.

Spät am Abend erreichten wir am Abend das zu einem Hotel umgebauten ehemaligen Kloster Posada Yuca. Kurz vor Ankunft hatte uns Inka noch schlechte Nachrichten zu überbringen.

Durch die Ankündigung eines nationalen Streiks der Transportunternehmen wurde heute und in den folgenden Tagen unser Programm durcheinander gewirbelt und unser neuer Reiseleiter Cesar übernahm die Führung der „Familie“ unter diesen außergewöhnlichen Umständen.

Zusammen mit der örtlichen Agentur wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Ausflug nach Machu Picchu einen Tag vorzuziehen. Die Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeit von ganz Südamerika wurde dadurch für unsere Reise abgesichert.

Die Abfahrt um 05:15 war zwar unchristlich, aber es sollte sich lohnen. Schon die Zugfahrt

Machu Picchu-Ollantaytambo nach Aquas Calientes ist ein einmaliges Erlebnis. Es geht bergab durch eine immer urwüchsigere Landschaft mit terrassenförmigen Hügeln, Gebirgsbächen und Andengipfeln.

Auch wenn man bis heute nicht genau weiß, warum die Inkas an diese Stelle eine Stadt gebaut haben: Jeder, der diesen Ort zum ersten Mal erblickt, spürt sofort dessen Magie.

Die Lage hoch über dem Urubambafluss umgeben von einer gigantischen Bergkulisse, weist viele astronomische Besonderheiten auf. Die Anlage ist so ausgerichtet, dass die  Sonne im Schnittpunkt von zwei gedachten Linien zwischen Sonnentor und eines markanten Einschnittes im umliegenden Gebirge zwischen Sommersonnenwende & Wintersonnenwende hin- und herpendelt.

Entsprechend konnte der für die Landwirtschaft sehr wichtige Tag der Sonnenwende genau bestimmt und anhand weitere Schnittlinien sogar überprüft werden.

Die Astrologie war auch die Grundlage für die Naturreligion der Inkas.

Der Sonnengott war die höchste Gottheit und die Inkas sein Sprachrohr. Das Gold verehrten die Inkas als Tränen der Sonne und das Silber als die des Mondes.

Gebaut wurde Machu Picchu während der Hochphase des Inkareiches. Es blieb eine unvollendete Stadt, obwohl es von den Spaniern nie entdeckt wurde.

Erst 1911 erforschte der US-Amerikaner Hiram Bingham Machu Picchu eingehend, da er glaubte die letzte Inka-Stadt Vilcabamba mit vielen Schätzen aus Cusco entdeckt zu haben.

Während der Führung durch die Ruinen gelang es Cesar uns die Fähigkeiten und Lebensweise der Inkas auf sehr anschauliche Art näher zu bringen. Als Anthropologe und Wissenschaftler der selbst in Machui Picchu geforscht hatte, war er dafür bestens geeignet.

Ein sehr leckeres Mittagessen erwartete uns nach der Rückkehr in Aquas Calientes im Restaurant „Indiofeliz“.

Die anschließende Wartezeit auf unseren Zug überbrückten wir mit einer kleinen Shoppingtour & Nutzung der happy Hour in unserem eigentlich für die nächste Nacht vorgesehen Hotel El MaPi.

Total glücklich über das Erlebte, erreichten wir spät abends das Hotel Xima in Cusco, welches unsere außerplanmäßige Bleibe für diese Nacht war.

Spruch des Tages

„si el rio suena, piedra lleva“

An Gerüchten ist meistens etwas dran…

Wörtlich übersetzt: wenn man den Fluss hört, bewegt er auch Steine.

Den Vormittag über hatten wir freie Zeit. Eine Abordnung fuhr zum Flughafen um weitere Koffer abzuholen – jetzt fehlten nur noch Zwei!

Gott sei Dank hatte der angekündigte Streik auf die Region Cusco keine großen Auswirkungen, sodass uns Cesar am Nachmittag die Hauptstadt des Inkareiches zeigen konnte. Der Legende nach soll das Geschwisterpaar Manco Capac & Mama Occlo vom Titicacasee kommend um 1200 die Stadt gegründet haben. Tatsächlich wurde dieser Ort schon viel früher als Siedlungsraum wegen seiner günstigen Lage (trotz der 3400 Meter Höhe) benutzt. Bis zur Ankunft der Spanier im Jahr 1533 erbauten die Inka ihren sagenhaften „Nabel der Welt“, in Form eines Pumas aus.

Zu Beginn unsere Städtetour besuchten wir die Iglesia (Kirche) de Santo Domingo.

Es ist weniger die Ordenskirche, die wir uns genauer ansehen wollten, sondern das, was erst ein schweres Erdbeben im Jahr 1950 wieder freilegte: die Überreste der Grundmauer der Coricancha, des goldenen Hofes.

Die Coricancha war der heiligste Ort der Inka und den ebenfalls dort befindlichen Sonnentempel durften nur die Adeligen barfuß, zum Zeichen der Demut mit einem Bündel auf dem Rücken und den Anweisungen des Hohepriesters folgend betreten. An dieser Stätte wurden Hochzeiten, Krönungen, Bestattungen und andere Riten von großer Bedeutung abgehalten. Die Innenräume waren mit Goldfolie bedeckt und auf großen goldenen Scheiben wurden die Sonne, Mond, Sterne und viele weitere Götter der Inka dargestellt.

Allein das feinste Mauerwerk ist faszinierend: Die riesigen Mauersteine aus Trapezen, Quaderen und Kreise sind millimetergenau gemeißelt, sodass nicht einmal ein Fingernagel dazwischen passt und deshalb auch absolut erdbebensicher.

Ebenfalls hier befand sich der heilige Garten, in welchem goldene Figuren von Menschen, Tieren und Pflanzen aufgestellt waren. Bei der Verwendung von so viel Gold muss man wissen, dass dies nicht Zurschaustellung von Reichtum war, sondern ausschließlich religiöse Gründe hatte.

Man kann sich leicht vorstellen, dass beim Anblick dieser unglaublichen Menge des Edelmetalls bei den Spaniern alle „Sicherungen“ durchbrannten und sie in einer Art „Goldrausch“ die ganze Stadt schleiften und plünderten. Sie hatten ihr „El Dorado“ gefunden. Es wurden – wie überall im Land – die Kunstschätze aus Gold nicht nur gestohlen sondern auch eingeschmolzen, um das Edelmetall besser transportieren zu können. Damit war die unermesslich wertvolle Kunst der Inka für immer ausgelöscht.

Weiter ging es zum Ruinenkomplex Sacsaywaman.

Unter dem 10. Inka Tupac Yupanki wurde im 15. Jahrhundert mit dem Bau des gigantischen Bauwerks begonnen. Angeblich haben zwischen 20.000 und 40.000 Menschen 70 Jahre lang an seiner Fertigstellung gearbeitet. Wahrscheinlich hatte der Komplex zunächst eine eher religiöse denn eine weltliche Bedeutung. Der Haupttempel sollte die Zähne des imaginären Pumas, dessen Körper die Stadt Cusco bildete, darstellen.

Tonnenschwere, gigantische Steinblöcke, von denen man bis heute nicht weiß, wie sie eigentlich hierher transportiert wurden, bilden in Sacsaywaman drei monumentale Ringmauern.

Den Spaniern diente Sacsayhuaman nach deren Sieg über die Inka nur noch als Steinbruch. Doch sie konnten nur die kleineren Steine benutzen, die großen waren ihnen viel zu schwer für einen Transport.

Heute wird in den Ruinen von Sacsayhuaman jedes Jahr am 24. Juni das Init Raymi gefeiert. Das Fest sollte eigentlich am 21. Juni, der Wintersonnenwende stattfinden, doch die Spanier versuchten mit dem Tag von Johannes dem Täufer einen Ersatzfeiertag einzuführen. Wurde das Datum von der indigenen Bevölkerung auch angenommen, so ist es doch der Sonnengott Inti, der nun vom 21. bis zum 24. gefeiert wird und kein katholischer Heiliger.

Puka Pukara war unser nächster Halt. Zu sehen sind immer noch die Grundmauern der ehemaligen Festung sowie von Vorratskammern und Speichern.

Doch nicht nur als Festung soll Puka Pukara gedient haben, sondern auch als Jagdschloss und als Raststation für müde Stafettenläufer. Den Inkapfad, den die Läufer benutzt haben, konnte man immer noch als dünne Linie auf den gegenüberliegenden Hängen erkennen.

Was Puka Pukara heute vor allem bietet, ist eine grandiose Aussicht, in deren Genuss auch wir kamen. Sonne und Wolken wechseln einander in rascher Folge ab und warfen ein Netz aus bizarren Schatten über das Andenpanorama.

Etwas weiter unterhalb der roten Festung gibt es eine weitere Sehenswürdigkeit, zu der wir in wenigen Minuten mit dem Bus gelangten.

Q’enqo ist nicht für seine Schönheit bekannt, dafür ist es eine umso interessantere Stätte. Wie bei den meisten Ruinen oder Ausgrabungen der Inkazeit ist man auch bei Q’enqo nicht ganz sicher, was es einmal gewesen ist.

Q’enqo bedeutet auf Quechua „das Gewundene” und weist wohl auf den sich windenden Pfad hin, der durch Steinruinen und Höhlen führt. Es ist anzunehmen, dass es sich um einen Ort handelt, der mit dem Totenkult in Zusammenhang steht und in den Nischen und auf den Sitzen, welche in den Höhlen ausgearbeitet sind, zu den Riten Mumien aufgestellt wurden.

Am Eingang der Höhlen findet sich ein großer, behauener Steinblock, der einem Puma ähnelt. Hier sollen sich die Verstorbenen von der Oberwelt abgemeldet haben, bevor sie ins Reich der Toten eingetreten sind. Auch einige Kanäle und Rinnen gibt es, in welchen wahrscheinlich Blut oder andere Flüssigkeiten geopfert und in das Innere der Höhlen geleitet wurden.

Was auch immer Q’enqo einmal gewesen sein mag, es überkommt einen jedenfalls ein leicht eigenartiges Gefühl, während man durch die Höhlen geht und sich entlang des gewundenen Pfades bewegt.

Als nächstes besuchten wir die im Jahr 1946 erbaute, haushohe Christusstatue. Von dort blickten wir auf das noch immer homogene Stadtbild Cuscos aus rotbraunen Dächern und Kirchtürmen. Wir genossen den tollen Ausblick in vollen Zügen.

Zurück im Zentrum von Cusco angekommen zeigte uns Cesar zum Abschluss der heutigen Tour den Plaza de Armas und die Kathedrale.

Der Plaza de Armas zählt zu einem der schönsten seiner Art und wirklich, er wird seinem Ruf gerecht. Ehemals Huacaypata, Ort der Freude genannt, war und ist dies das Herz der Stadt.

Früher von goldenen Tempeln gesäumt, mit feinem weißen Sand bedeckt und mit einer schweren Goldkette begrenzt, strahlt der Platz auch heute noch viel Erhabenheit aus.

In der Kathedrale selbst, deren Bau über 100 Jahre in Anspruch genommen hat und die 1654 fertig gestellt wurde, befindet sich eine Unmenge an Gemälden. Mehr als 400 Bilder der sogenannten Escuela Cusquena schmücken das Gotteshaus, darunter auch das berühmte Werk, auf welchem Jesus zum letzten Abendmahl ein gegrilltes Meerschweinchen verzehrt.

Obwohl die Kirchgänger allesamt katholisch sind, ist doch vieles anders als bei uns: So entdeckten wir unter den Sitzbänken z.B. Cocablätter mit denen die Einheimischen „Pachamama“ (Mutter Erde) gütlich stimmen wollen und in einem Seitenaltar wird das Wohlwollen des Christuskinds mit reichlich Spielzeug erbeten.

Im Restaurant „de El Meson de Don Thomas“ im Zentrum von Cusco erwartete uns nicht nur ein köstliches Abendessen (wobei das gegrillte Meerschweinchen nicht das kulinarische Highlight war), sondern auch eine sehr redselige Deutsch-Peruanerin. Sie übernahm alsbald das Kommando über den Kellner am Tisch und unterhielt uns ausufernd.

Der Tag klang an der Hausbar bei einem Pisco Sour aus – mittlerweile eine liebgewonnene Gewohnheit.

An diesem Morgen konnten wir den letzten vermissten Koffer nach 10 Tagen in Empfang nehmen – ein dreifaches „Hurra“ auf Veronica in Lima!

Wir fuhren weiter durch das „Heilige Tal der Inkas“ mit seinen jahrhundertealten Terrassen und fruchtbaren Böden.

Als wir auf dem Dorfplatz in der Gemeinde Caccacollo ankamen, wurden wir von einigen Frauen in typisch peruanischen farbenfrohen Trachten mit traditionellen Musikinstrumenten wie z.B. einer Muschel, begrüßt. Wir wurden zur Kooperative geführt in der die Dorffrauen Touristen empfangen um ihnen ihr Webhandwerk von der Wolle bis zum Endprodukt zu zeigen. Durch den Verkauf dieser hochwertigen Produkte haben sich die Frauen einen Nebenerwerb geschaffen, der mithilft viele Inka-Traditionen zu erhalten.

Die Reisefamilie war erstaunt wie ganz ohne Chemie die Wolle gewaschen, gefärbt, gesponnen und dann gewoben wird. Die Präsentation wurde von den sehr sympathischen Damen auf Quechua gesprochen und da Cesar diese Sprache ebenfalls versteht und übersetzen konnte, lernten wir die Sprache der Inka live kennen.

Im schönen Städtchen Pisac besuchten wir zunächst eine Silberschmiedewerkstadt und lernten viel über die Herstellung von Silberschmuck. Wir schlenderten durch die Einkaufsstraße des Ortes, kamen an einem Hinterhof vorbei, wo es aus einem jahrhundertealten Holzofen leckeres Fladenbrot gab. Bevor wir wieder in den Bus stiegen – der Magen verlangte nach dem Mittagessen – stöberten wir noch auf einem weiteren Markt durch die Auslagen. Man hätte so viel kaufen können: Alles sah so schön aus und war preiswert dazu.

Ein sehr leckeres Mittagessen erwartete uns im Restaurant Parwa in Huchuy Qosqo. Als wir zunächst durch das sehr einfache Dorf fuhren überraschte uns das sehr schön gestaltete Restaurant positiv. Der Familie viel der Abschied auch sichtlich sehr schwer und Cesar hatte alle Mühe uns zum Bus zu „treiben“.

Aber ein letztes gigantisches Zeugnis der Baukunst der Maya wartete auf uns: Ollantaytambo.

Wie Machu Picchu wurde diese Inka-Festung nie fertiggestellt, spielte aber während der Eroberung durch die Spanier eine wichtige Rolle, da sich Manco Capac nach der erfolglosen Belagerung von Cusco hierher zurückzog und einen Angriff der Spanier abwehren konnte.

Auf dem riesigen Areal bauten die Inkas Verwaltungs-, Landwirtschafts-, Militär- und religiöse Einrichtungen von überwältigender Größe und einer einzigartigen Lage.

Die Inkas erwählten die Städte für die Erbauung ihrer Tempel nach Zeichen ihrer Götter, die auf bestimmte Stellen hinwiesen. In Ollantaytambo beispielsweise erkennt man an einem Berghang sehr deutlich ein sich vom Felsen abhebendes Gesicht.

Wieder einmal waren wir alle hin und weg von den Eindrücken des Tages und führen zurück zum Hotel.

Für das Abendessen fanden wir ein nettes Lokal ganz in der Nähe von unserem Hotel und wir wurden von der netten Gastwirtsfamilie gut versorgt.

Heute konnte jeder nach seinem Gusto seine Zeit gestalten.

Mittags traf sich der Großteil der Gruppe um gemeinsam der Einladung der örtlichen Agentur für ein Mittagessen im Restauarnt „Calle del Medio“am Plaza de Armas zu folgen. Vom Balkon des Restaurants begeisterte uns der herrliche Blick über den Platz und danach ließen wir uns das Essen schmecken. Vor allem der Nachtisch war ein Hochgenuss.

Wir schlenderten weiter durch die Stadt bis zum Markt San Pedro um unter anderem die von Inka angepriesene Heilpflanze „Matico“ zu kaufen, welche auch gegen Corona helfen soll.

Am Abend beinhaltete unser Programm als Abschied eine Dinner Show mit peruanischen Tänzen und Musik. Auch wenn wir sehr lange auf unseren Abschluss Pisco Sour warten mussten, war es ein sehr schöner Abend, bei dem sogar zum ersten Mal das Tanzbein geschwungen wurde.

Wir bedankten uns sehr herzlich bei Cesar für seine eindrucksvollen Erklärungen und die Umorganisation unseres Programms, das aller Widrigkeiten zum Trotz, ein unvergesslich schönes Erlebnis war.

Wir verabschiedeten uns mit dem Spruch des Tages von Ibn Battuta:

„Das Reisen macht dich erst sprachlos und dann zum Geschichtenerzähler.“

Ein langer Tag des Reisens stand bevor.

Sehr früh um 04:15 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt. Der versprochene Kaffee war zwar nicht zu finden, aber immerhin ein großes Frühstückspaket war gerichtet.

Über Lima ging es weiter nach Rio de Janeiro, wo uns ein bestens aufgelegter neuer Reiseleiter namens Tiago erwartete.

Leider klappte das Treffen mit Veronica in Lima nicht, da wir in verschiedene Terminals unterwegs waren. Als Notlösung bedankte sich jedes Familienmitglied am Telefon bei ihr, denn ohne ihre Hilfe wären die Koffer bestimmt noch ewig herrenlos unterwegs gewesen.

Am Abend kamen wir in unserem tollen Hotel Hilton Copacabana an und Tiago konnte gleich sein Organisationstalent unter Beweis stellen und für uns trotz Massenandrang noch einen Tisch in einer nahe gelegen Pizzeria reservieren. Von der Stimmung an der Copacabana einerseits aufgekratzt, aber gleichzeitig todmüde, schliefen wir an diesem Abend ein, nicht ohne einen ersten Blick von der Dachterrasse auf dem 39.Stock unseres Hotels über den Strand der Strände zu werfen.

Spruch des Tages:

„Träumt einer allein ist es nur ein Traum, träumen viele gemeinsam, ist es der Anfang von etwas Neuem.“

Rio de Janeiro (Bucht des Januars) wurde am 1. Januar 1502 von den Portugiesen entdeckt und im Jahre 1531 folgte eine kleine portugiesische Expedition von Siedlern, die am heutigen Strand von Flamenco ein erstes Wohnhaus aus Stein erbauten, welches die Indios „kari-oca“ (Haus des Weißen) nannten.

Zu Beginn unserer halbtägigen Citytour besuchten wir die Kirche Sao Bento, die im Jahr 1590 von Mönchen aus Bahia gegründet wurde. Besonders schön war die vergoldete Holzverkleidung im Inneren. Einen schönen Ausblick auf den seit Olympia neu gestalteten Hafen und das Zukunftsmuseum gab es vom angeschlossenen Internat obendrein.

Da Tiago portugiesische Wurzeln hat, zeigte er uns eine Sehenswürdigkeit Rios, die nicht in jedem Reiseführer zu finden ist, die Bibliothek „Gabinete Portugues de Leitura“. Die Bibliothek wurde im Jahr 1841 von 40 portugiesischen Einwanderfamilien gegründet und besitzt die größte Sammlung portugiesischer Literatur außerhalb Portugals. Wir staunten über die hohe Deckenkonstruktion im Inneren mit seinen bunten Gläsern, die eine ganz besondere Atmosphäre schafft.

Die größte Sehenswürdigkeit zeigte uns Tiago im Anschluss. Die Seilbahn zum Zuckerhut brachte uns in zwei Etappen auf den 396 Meter hohen Felsen. Spätestens dort oben wird jeder Besucher in das Loblied über diese wunderbare Stadt inmitten von Stränden, Regenwald und Bergen einstimmen.

Während der anschließenden Rundfahrt lernten wir verschiedene Stadtviertel Rios kennen. Im Villen- und Künstlerviertel Santa Teresa, das die historische Straßenbahn „Bonde“ auf einem Aquädukt überquert, machten wir einen Stopp, um die bekannte Fliesentreppe von Selaron zu besichtigen. Als sein Lebenswerk schmückte der chilenische Künstler die 215 Stufen der Treppe mit auserwählten Fliesen aus der ganzen Welt.

Wir spazierten am legendären Kaffeehaus Confeiteria Colombo vorbei, wo Instagram-Poster und Kollegen anderer Plattformen vis-a-vis eigens ein Zelt aufgeschlagen hatten, um für Ihre Fotos ins passende Outfit zu schlüpfen.

Den Vormittag beschlossen wir einem typischen Straßenlokal von Rio auf der Halbinsel Urca mit dem gleichen Namen. Gegessen wurde auf der Mauer mit Blick auf die Bucht von Guanabara.

Ein Teil der Familie unternahm mittags den optionalen Ausflug zur 1931 errichteten Christusstatue auf dem Corcovado, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt.

Am Abend ging es in die Sambakneipe „Rio Scenarium“, die schon selbst zu einer Sehenswürdigkeit Rios geworden ist. Das Lokal erstreckt sich über drei Etagen, am besten sieht man aber im Erdgeschoss auf die Bühne.

Nachdem wir uns mit mehreren Gängen satt gegessen hatten, zuckte es bei allen „Familienmitgliedern“ in den Beinen und wir mischten uns unter das tanzende Volk vor der Bühne. Die Liveband war hervorragend und jeder tanzte so gut er konnte einfach mit.

Spruch des Tages:

„Eine Elendshütte, in der man fröhlich lacht, ist mehr wert als ein Palast, in dem man weint.“

Das Besichtigungsprogramm der Reise war zwar offiziell beendet, aber auf privater Basis wurde an diesem Tag keinesfalls gefaulenzt, sondern weiter diese so besondere Stadt erkundet.

Mit Tiago fuhren wir am Morgen zunächst zum Strand „Praia de Sao Conrado“ um sich bei den Paraglidern & Drachenfliegern umzusehen. Es war geplant am nächsten Morgen einen solchen Flug zu wagen.

Mit gemischten Gefühlen starteten wir den Besuch der Favela Rocinha, die mit geschätzten 250.000 Bewohnern die größte Armensiedlung Rios ist.

Wir erlebten das Verkehrschaos in diesem Stadtteil, das trotzdem irgendwie funktioniert. Wir durchschritten ein wahres Labyrinth von Elendshütten, die ohne Plan die steilen Hänge hochgezogen waren und zwischendurch überraschend schöne Ausblicke auf die Umgebung frei gaben. Wir trafen auf viele freundliche Menschen, die ganz normal ihrer Arbeit nachgingen, aber auch drogenabhängige und verzweifelte Menschen, die einem sehr Leid taten.

Wie nah arm und reich in Brasilien beieinander liegen sahen wir im anschließenden Besuch in der Villa des IMS (Instituto Moreira Sales). Die heute von einer Stiftung genutzte Villa bot Ihrer ehemaligen Besitzerfamilie Sales auf einem riesigen Areal (inklusive Flusslauf) alles, was man für ein Leben in uneingeschränktem Luxus braucht. Heute finden dort wechselnde Kunstausstellungen statt.

Das Maracana Stadion sowie eine Sambaschule standen für den Nachmittag bei einigen als weitere Höhepunkte der Reise noch auf dem Programm, bevor wir am Abend in der Churrascaria Carretao Lido den Tag mit einem typisch brasilianischen Essen ausklingen ließen.

Schon während des leckeren Frühstücks im Hilton wuchsen heute Morgen Flügel!

Um 10:00 Uhr war das Treffen mit dem aus Italien geflohenen, dreimaligen brasilianischen Meister im Deltafliegen, Max an der Basis der Piloten.

Eine halbe Stunde später standen wir oben auf der Absprungplattform und nach einer Einweisung flogen wir wie die Vögel hinab zum Strand – ein Erlebnis ohnegleichen!

Bis zur Abfahrt zum Flughafen am Nachmittag verbrachten wir die Zeit zusammen mit vielen Einheimischen am Strand der Copacabana.

So endete eine traumhafte Reise ganz entspannt, bevor wir die lange Rückreise nach Deutschland antraten.

Mit dem Spruch des Tages:

„Wer Abschied nimmt, nimmt Sehnsucht mit….“

Sagten wir am Flughafen Lebewohl zu Tiago, der für in Rio alles bestens organisiert hatte und uns viel von seiner Stadt zeigte und über die Geschichte und seine Landsleute erklärte.

Eine Überraschung hatte die Peru & Rio Gruppenreise am nächsten Morgen noch parat.

Als wir in Amsterdam in den Flieger nach Frankfurt stiegen stand plötzlich unsere Reiseleiterin vom Titicacasee mit ihrer kleinen Tochter Sia vor uns – welch ein Zufall. Sie war auf dem Weg zu einen Besuch in ihrer alten Heimat und alle haben sich total gefreut sie wiederzusehen.

Welch ein schönes Ende einer wirklich großartigen Reise.

Gegen Abend erreichten wir mit unserem Haustürtransfer unser jeweiliges Zuhause mit einem riesigen Schatz an Reiseerinnerungen.

Diese Reise wurde begleitet von:

Wolfgang Heinzmann

Begleiter